Der Polo Sport
Polo ist ein Ballspiel und ein Mannschaftssport. Zwei Teams treten gegeneinander an, um mehr Tore zu erzielen als der Gegner. Ein Team ist nur dann stark, wenn es eine Einheit bildet, die funktioniert wie ein Gehirn. Ein Polo-Team ist vergleichsweise klein, besteht lediglich aus 4 Spielern, ist also verstärkt auf die Leistung des einzelnen Spielers angewiesen. Es fordert ein sicheres Auge und ein Höchstmaß an Entschlossenheit. Und zu einem Polo-Team gehören natürlich auch seine Pferde. Das Tier ist im Polo Gehilfe des Menschen und kann es nur sein, wenn der Spieler Herr über sein Pferd ist. Sie bilden eine Partnerschaft, eine Erziehungsgemeinschaft besonderer Art, in der beide Teile gleichermaßen aufeinander angewiesen sind. Der Spieler muss sein Pferd nicht nur zu reiten wissen, er muss ihm Geist, Konzentration, Leidenschaft und Entschlusskraft vermitteln können.

I. Das Spiel
Ursprünglich spielte man Polo auf einer flachen Wiese unbestimmten Ausmaßes. Die Anzahl von Spielern der zwei gegenüberstehenden Mannschaften differierte und genaue Regeln kannte man nicht. Zweck des Spieles war es, auf wendigen Pferden mittels eines Schlägers den faustgroßen Ball in das gegnerische Tor zu spielen. Die von der Hurlingham Association im Jahre 1874 festgelegten Regeln sind im Laufe der Jahre verfeinert worden. Heute gelten folgende Spielregeln:
Vier Spieler auf jeder Seite spielen im Prinzip wie beim Hockey oder Fußball. Ein Spiel dauert insgesamt ca. eine Stunde, geteilt in 4 oder 6 Spieleinheiten (Chukker) von je 7 – 7 ½ Minuten.
Die Pferde werden nach Ablauf eines Chukkers ausgewechselt. Das Spiel ist sehr schnell und wechselt oft durch lange Pässe und Rückschläge die Richtung – und einen Torwart gibt es nicht.
II. Das Handicap
Das Handicap eines jeden Spielers basiert auf den Leistungen einer vollen Polosaison und wird von einer Kommission festgelegt. Die Einstufung bewegt sich auf einer Skala von -2 bis +10. (Über ein Maximal-Handicap verfügen zur Zeit weltweit nicht ganz ein Dutzend Spieler!) Aus den Handicaps der einzelnen Spieler errechnet sich das Gesamthandicap eines Teams durch einfache Addition. In einem Spiel erhält die Mannschaft mit dem niedrigeren Gesamthandicap eine Torvorgabe, deren Höhe nach einer bestimmten Formel ermittelt wird. Zudem bestimmen die Teamhandicaps auch über die Einstufung der Mannschaften in einzelne Spielklassen: low-goal bei -2 bis +2, medium-goal von +4 bis +8, high-goal bei 10 bis +12.
III. Pferde und Mannschaften
Bis 1909 züchtete man Polo Ponies in England, Irland und Australien, aber seit 1909 befindet sich die Züchtung argentinischer Pferde auf unerreicht hohem Niveau. Aus 100 % Vollblut mit Genen der einheimischen Rasse werden kleine Pferde zwischen den Stockmaßen 155-160 gezüchtet, wendig und temperamentvoll. Die Ausdauer und Härte dieser Ponies ist bei europäischen Reitpferden nicht zu finden. Eine Mannschaft besteht aus 4 Spielern, von denen jeder 2 - 3 Pferde zur Verfügung haben sollte.
Die 4 Spieler einer Mannschaft müssen als Einheit eng zusammen spielen, stärker noch als bei anderen Mannschafts-Sportarten, weil es eben nur wenige Spieler gibt und das Spiel selbst sehr schnell ist. Jeder Spieler hat seine Position entweder als Nr. 1, 2, 3 oder 4 zu spielen und soll diese Position nicht verlassen. Nummer 1 und 2 sind die Stürmer, Nr. 3 ist der Spielmacher und Nr. 4 der Verteidiger.
IV. Geräte, Ausrüstung, Spielfeld
Abgesehen davon, dass die Pferde eine erstklassige Erziehung und Ausbildung benötigen, um den hohen Anforderungen des Spiels zu genügen, muss auch der Spieler ein guter Reiter sein. Die Kleidung bei Wettspielen besteht aus einer weißen Reithose, braunen Stiefeln und einem kurzärmeligen Polohemd. Zur Ausrüstung gehören ein spezieller Polohelm und lederne Knieschützer.
Die
Schläger (Sticks) sind aus flexiblem Bambus mit Ledergriff und Handschlaufe und
am unteren Ende befindet sich ein zigarrenförmiger Holzschläger. Die Sticks sind
zwischen 125 und 135 cm lang, je nach Größe des Spielers und des Pferdes;
alternativ werden in Europa auch häufig Kohlefaserschläger verwendet. Der Ball
hat einen Durchmesser von ca. 8 cm und wird aus Bambuswurzeln oder Plastik
hergestellt. Das Spielfeld sollte 300 Yards (274 m) lang und 200 Yards (182 m)
breit sein und die Tore sind 8 Yards (7.30 m) breit. Der Rasen muss dicht, fest
und gut gepflegt sein und das Gelände so ebenmäßig wie nur möglich. Während
einer Pause des Spiels begeben sich traditionsgemäß die Zuschauer aufs Feld, um
die von Pferdehufen verursachten Löcher im Rasen wieder zuzutreten.
V. Technik und Taktik
Im modernen Polo gibt es verschiedene Grundsätze, ohne die ein gutes Spiel nicht ausgetragen werden kann:
Jeder Spieler hält seine Position und deckt seinen Gegner in der Verteidigung. Die Nr. 1 hat sich immer mit geringem Abstand vor Nr. 2 aufzuhalten, Nr. 2 vor Nr. 3 usw. Im Angriff sollte der letzte Mann, Nr. 4, den Ball an Nr. 3 weiterleiten, dieser an Nr. 2, Nr. 2 an Nr. 1, letzterer muss eine Torchance nutzen. Sollte ein gegnerischer Spieler in die Quere kommen, bietet sich dem nachfolgenden Spieler noch die Chance zum verwandeln. In der Verteidigung hat sich die Nr. 4 stets um den ersten Mann zu kümmern, der in die eigene Hälfte zurück reitet, sei es mit oder ohne Ball. Die Nr. 3 (zweiter Verteidiger) kümmert sich um die Nr. 2 aus der gegnerischen Mannschaft usw. (Nr. 2 deckt Nr. 3 und Nr. 1 deckt Nr. 4), so dass kein Gegner ungedeckt bleibt. Abdrängen vom Ball und nach dem Stock schlagen sind erlaubt und müssen immer wieder geübt werden, denn wer diese Taktik als Mannschaft beherrscht, hat die besseren Aussichten auf den Sieg.
Schlagtechnik ist das Wichtigste. Der Schläger wird in der rechten Hand gehalten, Linkshänder müssen umlernen. Es gibt verschiedene Schlagrichtungen, davon sind Rückwärtsschläge auf beiden Seiten des Pferdes (Near- und Offside) die schwierigsten. Ideale Übungen können auf einem Holzpferd abgehalten werden, das in einem Drahtverhau aufgebaut werden muss, und hier kann man Schläge üben, ehe man diese zu Pferde anwendet.
VI. Regeln
Der moderne Polosport kennt ganz bestimmte und strenge Regeln, die dem Schutz von Reiter und Pferd dienen:
Die erste
Regel betrifft das Wegerecht des Reiters. Das Wegerecht liegt in der
Richtung des Reiters auf einer imaginären Linie, und wegen Kollisionsgefahr
darf kein anderer Reiter diese Linie kreuzen.
Die Mehrzahl
der Regeln befasst sich mit der imaginären Richtungslinie, auf der der Ball
rollt oder geschlagen wird. Ein Reiter, der dem Ball auf jener Linie folgt,
hat das Vorrecht vor allen anderen. Zuwiderhandlungen werden mit Freistößen
auf das leere Tor geahndet.
Das Spiel
wird von 2 Schiedsrichtern begleitet. Zu Spielbeginn wird der Ball zwischen
die aufgestellten Spieler geworfen. Nach jedem Tor gibt es einen
Seitenwechsel. Geht der Ball ins Aus, wird er erneut von einem der
Schiedsrichter eingeworfen. Beim Polo gibt es auch den so genannten Eckball,
jedoch wird dabei der Ball auf die markierte 60 Yards Linie gelegt und ein
direkter Freistoß geschlagen. Nach einem Tor erfolgt der neue Einwurf von
der Mittellinie aus.
Jeder Spieler hat seine persönliche Vorgabe – auch Handicap genannt - , was vom Deutschen Polo Verband durch Kommissionen jeweils für das laufende Jahr festgelegt wird. Die Vorgaben der Spieler einer Mannschaft werden addiert und mit denen der gegnerischen Mannschaft verglichen. Die Differenz wird der schwächeren Mannschaft als Tore vorgegeben, so dass z.B. mit einem Torverhältnis 1 ½ zu 0 begonnen werden muss.
VII. Organisationen
Die Dachorganisation aller Deutschen Polo Clubs ist der Deutsche Polo Verband e.V. mit derzeit 23 Vereinen und ca. 200 aktiven Mitgliedern. Weltweit wird Polo auf 5 Kontinenten in über 50 Ländern gespielt. Der jährliche Höhepunkt steigt im November mit den Argentine Open in Palermo, Bezirk Buenos Aires, wo die besten Spieler und Teams der Welt aufeinander treffen.